Dive under in down under

Taucherfahrungen in Australien

Während unserer Silberhochzeitsreise, die uns einen Monat lang durch drei australische Staaten führte, hatte ich auch Tauchfahrten in Queensland eingeplant. Ausgangspunkt sollte eine 4-tägige Kreuzfahrt am Great Barrier Reef sein. Leider waren die Wetterbedingungen so, daß ich nur bei Lizard Island zum Tauchen kam.

Diese Insel liegt 240 km nördlich von Cairns, der letzten größeren Stadt im Norden Queenslands, bzw. 85 km nördlich von Cooktown, einer kleinen Stadt mit weniger als 1000 Einwohnern, die acht Monate im Jahr (während der Regenzeit) nur mit dem Schiff zu erreichen ist. Lizard Island ist vulkanischen Ursprungs mit dunklem Lavagestein und weißem Sand.

In der herrlichen Watson Bay gibt es die größten Mördermuscheln der Welt. Um diese zu betrachten, reicht eine ABC-Ausrüstung, denn eine Ansammlung von über 20 dieser riesigen Muscheln liegt in zwei bis fünf Metern Tiefe. Somit konnte meine nichttauchende Frau beim Schnorcheln ebenso wie ich das Phänomen der Reaktion dieser Tiere auf Schatten recht gut beobachten. Ausserdem hat sie natürlich beim stundenlangen "Umherdriften" im herrlich warmen Wasser die schönen Ansammlungen von Steinkorallen und die Korallenfische eingehend betrachtet.

Mit einem Beiboot fuhren wir, d. h. ein Bootsführer, ein Diveguide und ich, in die äußeren Bereiche der Watson Bay. Leider war aufgrund des recht starken Windes die See recht rauh und auch der Himmel war bedeckt. Die Erwartungen an Tauchgänge in Australien waren sehr hoch und dementsprechend war ich über die relativ schlechte Sicht von ca. 10 bis max. 15 Metern doch sehr enttäuscht. Der Fischreichtum war jedoch erstaunlich hoch und mein australischer Begleiter paddelte von Korallenblock zu Korallenblock, um mir möglichst viele Fische für das "Fish-Watching" zu zeigen. Erfreulich war, daß er mir auch die Augen für kleine Fischarten wie z. B. Pinzettenfische und Grundeln öffnete. Die größeren Fischarten wie z. B. Kaiserfische waren jedoch deutlich größer als die vergleichbaren Arten im Roten Meer und auf den Malediven. Besonders sind mir die verschiedenen Anemonenfische und Harlekinfische aufgefallen. Hinzu kam, daß es rund um Lizard Island viele Meeresschildkröten gibt, und prompt konnte ich welche beobachten. Der Höhepunkt kam jedoch zum Schluß des Tauchganges, ein "Potato-Cod", d. h. ein Zackenbarsch mit schwarzen Flecken von ca. zwei Metern - für diese Prachtkerle ist das nördliche Great Barrier Riff auch bekannt!

Da das Wetter immer schlechter wurde, konnte ich auf dieser Kreuzfahrt leider nicht mehr tauchen gehen, dafür hatte ich das Erlebnis "Tauchen im Tank", siehe separaten Artikel.

In Cairns hatte ich weitere Tauchgänge eingeplant, denn eine Unmenge von Anbietern offerieren Ausfahrten ans Riff. Lesley Edwards, die Leiterin von "Undersea World" riet mir jedoch davon ab und schlug vor vom ca. 70 km nördlich liegenden Port Douglas aus zum äußeren Riff zu fahren. Der empfohlene Veranstalter "The Outer Edge" ist auf Taucher spezialisiert, denn die meisten anderen Veranstalter haben jede Menge an Schnorchler und Schnuppertaucher dabei und meiden daher unberührte Riffe!

Drei geführte Tauchgänge kosten 185 A$ (ca. 210.- DM), das ist teurer als beim Wettbewerb, aber Mitfahrende, die vergleichen konnten, bestätigten einhellig einen deutlichen Qualitätsunterschied. Wir erhielten sehr ausführliche Briefings und wir tauchten in kleinen geführten Gruppen mit je 4 - 5 Personen. Jeder Tauchgang war an einem anderen Riff und positiv bemerkte ich, daß ein geplantes Riff verschmäht wurde, nur weil die Sicht nicht optimal war.

Sofort nach dem ersten Eintauchen sahen wir auch schon den ersten Hai. Ich konnte an diesem Tag Rochen, graue Riffhaie und Weißspitzen-Riffhaie sowie einen schlafenden Ammenhai beobachten. Dazu noch jede Menge unterschiedlichster Korallenfische, die ich leider zum großen Teil nicht namentlich nennen kann. Beim dritten Tauchgang wieder einen herrlichen Zackenbarsch von ca. 1,80 m und große Schnecken. Auch in diesem Tauchgebiet gab es riesige Muscheln.

Die dort herrschende phantastische Sicht hat meine Frau beim Schnorcheln ebenso genossen und ist der Meinung, daß sie fast soviel gesehen hat wie ich. In diesem Gebiet gibt es ab Mitte Juni auch Mink Wale, und da wir am 11. Juni unterwegs waren, hoffte ich auf eine aussergewöhnliche Begegnung - leider war's nichts. Trotzdem waren die acht Stunden Ausfahrt unvergesslich, denn auch die Rückfahrt vorbei an einigen Inseln waren in der Frühabendsonne ein Genuß, denn anstatt eines Deko-Bieres genossen wir einen kühlen australischen Chardonnay!

Da allerdings Australien insgesamt über Wasser ausserordentlich interessante Dinge zu bieten hat, habe ich daher ansonsten keine weiteren Tauchaktivitäten entwickelt, sondern bis zu unserer Rückreise gemeinsam mit meiner Frau das schöne Umland von Cairns erkundet. Jürgen Müller