Seit den Tagen J.I. Cousteaus und H. Hass übt das Mittelmeer auf Taucher eine ungebrochene Faszination aus. Zwar hat man in vielen Ecken des Mittelmeeres den Eindruck, als ob es bald zu einem Kollaps käme, doch es gibt immer noch Stellen, an denen sich das Mittelmeer mit all seiner Schönheit und seinem Artenreichtum darstellt. Eine solche Stelle ist Gozo. Gozo ist die kleine Schwesterinsel Maltas. Der unabhängige Staat liegt mitten im Mittelmeer, etwa 150 Kilometer südlich Siziliens. Gozo ist nicht nur für Tauchfreaks, sondern auch für die ganze Familie geeignet. Neben hervorragenden Tauchgebieten bietet Malta / Gozo auch noch eine 5.000jährige, wechselhafte kulturhistorische Geschichte, die mit Überbleibseln fast aller großen Mittelmeerkulturen versehen ist.

Da ich meine ersten Tauchversuche im Mittelmeer unternommen habe, hat es mich nun nach langer Abstinenz mal wieder dahin zurückgezogen. Ausschlaggebend war natürlich die gute Chance auf Meereshöhen. Gabi musste nicht lange überredet werden, da die Temperaturtabellen für August (Hauptsaison) angenehme Wasser- und Luftbedingungen versprachen. Außerdem war zu der Zeit als wir gebucht haben die politische Situation außerhalb Europas nicht ganz unkritisch und zum zweiten sollte die Anreise nach Malta doch in wenigen Stunden zu schaffen sein.

Also habe ich im Internet rumgesurft und bei Malta-Tours Flug und Unterkunft gebucht. Als Tauchbasis haben wir uns dann für das Nautic Team Gozo (http://www.nauticteam.com/gomal.htm) entschieden. Hauptsächlich, weil dort im Gegensatz zu den anderen Basen auf der Insel nicht überwiegend von Land, sondern vom Schiff getaucht wird.

Die Anreise nach Gozo dauerte dann doch etwas länger als geplant. Der Flug ab Frankfurt ging pünktlich los und wir landeten auf Malta nach knapp drei Stunden. Dann der Transport zum Fährhafen mit dem Beauftragten Unternehmen des Reiseveranstalters. Hierbei kamen wir erstmals in den Genuss des Linksverkehrs und der Verkehrsregeln dieses Archipels. Die Fähre haben wir dann trotz der Bemühungen des Fahrers gerade verpasst und mussten eine Stunde auf die nächste warten. Die Überfahrt nach Gozo war dann romantisch mit Sonnenuntergang und Meeresbriese. Dann wieder Autotransport zu unserem Zielort Marsalforn an der Nordküste der Insel.

Marsalforn ist ein kleines Fischerdörfchen direkt am Meer. In den letzten Jahren hat es sich wohl zum Touristenort verändert, aber seinen typischen Charakter nicht verloren. Die kilometerlange Bucht, gesäumt von vielen kleinen gemütlichen Restaurants, Bars und verschiedenen Geschäften lädt zum Bummeln ein. Bademöglichkeiten bieten sich am Kiesstrand mitten in Marsalforn, oder etwas gewagter am Felsenstrand "ar-aula".

Wir erreichten unser Hotel im Dunkeln und mussten feststellen, dass unser Fahrer nicht bis zum Eingang vorfahren konnte. Wir waren nämlich mitten in einem großen Fest zu Ehren einer lokalen Größe gelandet und die ganze Insel feierte eine große Party vor unserem Hotel. Das bedeutete, Gepäck ausladen und mit 50kg über 500 Meter Wegstrecke zur Rezeption. Dort freute man sich über unser Kommen. Dummerweise sollte unsere Unterkunft in einem Appartement sein, was bedeutete, nicht im Hotel. Das wurde übrigens gerade umgebaut und renoviert. Also das Gepäck durch die Baustelle schleppen (mit Hilfe eines etwas schwächlichen Hotelangestellten) und dann noch in den zweiten Stock über ein enges Treppenhaus ins Appartement. Dies war riesengroß. Dafür leider etwas heruntergekommen, aber mit gigantischer Aussicht über das Meer und die ganze Bucht von Marsalforn. Ziemlich platt erfreuten wir uns dann bis nach Mitternacht der Liveauftritte, die auf einer Bühne direkt unter unserem Balkon stattfanden.

Am nächsten Tag, einem Sonntag, hatten wir dann Zeit, das Ganze im hellen zu betrachten. Sonntag ist heilig auf Gozo. Deshalb war auch die Tauchbasis geschlossen und wir wanderten die nähere Umgebung ab. Angenehm überrascht von der Landschaft und dem Meer, ebenso wie vom Essen und Trinken, nahmen wir die tropfende Klimaanlage und das vergammelte Bad in unserem Appartement als kleines Übel in Kauf und warteten ungeduldig bis zum nächsten Tag, um endlich die Gegend unter Wasser erkunden zu können.

Das Einchecken beim Nautic Team war easy, da ich uns vorab per Mail angemeldet hatte. Heike und Thomas entpuppten sich als nette Basisleiter. Ebenso die Tauchlehrer auf der Basis und so ging es noch am selben Tag los. Nach dem ersten Chaos durchblickten wir auch das System. Jeder Taucher bekommt eine große Kiste für das Gerödel. Die muss jeder selbst zu einem Bus vor der Tür schleppen. Ebenso eine Flasche. Der Bus fährt zum Hafen. Dort wird alles zusammengebaut, Neopren angezogen und alles aufs Boot getragen. Bei Temperaturen in der Sonne von über 30°C (weil Schatten gibt es am Hafen nicht), ist das jedes Mal ein Tauchtauglichkeits- Test. Auf dem Boot kann man sich dann auf der relativ kurzen Fahrt zum Tauchplatz erholen. Dann endlich ins Wasser. Die gleiche Prozedur zurück und bei zwei Tauchgängen pro Tag das Ganze zwei Mal. Taucht man von Land aus, muss man komplett angezogen seine Ausrüstung über mehr oder weniger anspruchsvolle felsige Küstenpfade schleppen und nachher versuchen wieder aus dem Wasser herauszukommen. Personalkosten sind in Europa halt nicht mit Ägypten oder Thailand zu vergleichen, wo jede Tauchbasis eine Hand voll Boys hat, die einem das Tauchzeug bis zum Wasser schleppen.

Doch der erste Blick unter die Wasseroberfläche entschädigte für alles. Gigantische Felslandschaften, Höhlen, Grotten, Tunnel, Felsbögen und Steilwände bei jedem Tauchgang. Fischschwärme überall. Bunter Bewuchs an den Höhlendecken. Schwämme, Anemonen und Korallen, sowie unzähliges Getier dazwischen. Allerdings muss man ein Auge für Kleinigkeiten haben. Normalerweise schwimmen hier keine Riffhaie vorbei. Kommt man mit den richtigen Erwartungen hier her, wird man positiv überrascht. Für Fans von Höhlen und Löchern ein Paradies. Unterwasserphotographen kommen im großen und im kleinen auf ihre Kosten.

So lernten wir 16 verschiedene Tauchplätze kennen. Darunter auch ein nettes Wrack. Die meisten Tauchplätze sind auch für Anfänger geeignet. Allerdings gibt es auch einige tiefe Stellen, die dann rasch an den Rand der Dekopflicht führen. Ein bis zweimal in der Woche werden Tagestouren mit einem etwas größeren Schiff zu Tauchplätzen bei Malta oder Comino angeboten.

Die Basis selbst liegt in Marsalforn, in der Nähe des Hafens. Ausgestattet ist sie mit einer modernen Bauer - Kompressoranlage mit Airlab sowie Tauchausrüstungen, die fast jeden Wunsch erfüllen. Des Weiteren bietet sie Werkstattservice, Ausrüstungsverleih sowie Verkauf von Tauchequipment jeglicher Art und Nitroxtauchen mit einer modernen Membranfüllanlage für prevetierte Nitroxtaucher.

Wir werden sicher wieder mal zurückkommen. Dann vielleicht zu einer anderen Jahreszeit. Und sicher in eine andere Unterkunft.

Hier noch ein paar Fotos !

Stephan