Sodwana Bay in Südafrika – tauchen hui, ansonsten pfui!

Erfahrungen am nördlichsten Spot Südafrikas und südlichsten Korallenriffen der Welt

Bei unserer seit längerem geplanten Südafrika-Reise war natürlich von mir auch Tauchen mit eingeplant. Nach den ausführlichen Erkundungen in Reiseführern, den Berichten von Jochen und laut Internet-Informationen war recht schnell klar: Es musste Sodwana Bay sein!

Dieser Platz ist ca. 80 km südlich der Grenze zu Mocambique bzw. etwa 400 km nördlich von Durban. Sodwana Bay ist Teil des Nationalparks „Greater St. Lucia Wetland Park" und liegt recht abgelegen. Der Spot ist erst seit kurzem über eine befestigte Strasse via Hluhluwe zu erreichen, vorher war dies nur über Sandpisten möglich. Trotzdem kennen ihn die meisten Taucher in Südafrika, denn es soll der beste Spot des Landes sein.

Daher gibt es dort auch einige Tauchbasen, aber nur limitierte Unterkunftsmöglichkeiten. Im Camp des Nationalparks wollte ich nicht übernachten, das schien mir extrem einfach, nur Zelte bzw. „Cabins", es gibt nicht mal ein Restaurant dort.

Über das Internet fand ich die Adresse der Sodwana Bay Lodge die auch eine Tauchbasis hatte und ich plante zwei Tage der Reise ein (ohne zu buchen) da die Preise akzeptabel schienen und die Fotos einen guten Eindruck machten

Nachdem wir schon über eine Woche unterwegs waren reservierte ich per Telefon aus Hluhluwe für zwei Nächte in dieser Lodge und war recht erwartungsvoll. Die Anfahrt von ca. 100 km war auch interessant und ging auf Grund der neuen Strasse bis Mbazwana, einer kleinen Ansiedlung in der Mitte des sehr dünn besiedelten nördlichen Zululandes, sehr zügig.

Von dort führte eine kleine, trotzdem befestigte Strasse ca. 10 km weiter zur Bay. Wider Erwarten war die Bay Lodge aber nicht an der Bay sondern außerhalb des Nationalparks etwa vier Kilometer entfernt!

Ich buchte in der Basis die einen guten Eindruck machte das Equipment, denn für dies war bei dem Afrikaurlaub kein Platz im Gepäck gewesen. Umgerechnet zahlte ich dafür 20 € für zwei Tage, entsprechend meinen schwäbischen Vorstellungen, wenn auch kein richtig passender Anzug zu finden war!

Da die Unterkunft noch nicht gerichtet war wollten wir erst mal an die Bay, d. h. in den Nationalpark und somit Eintrittsgebühr. Ohne Allrad ging es nur bis zu einem Parkplatz vor den Dünen, kurz dahinter dann die Bucht - herrlich gelegen aber für uns trotzdem schockierend. Dies war wieder einer jener typischen südafrikanischen Tummelplätze der weißen Herrenklasse!

Riesige Allrad-Fahrzeuge, noch größere Power-Boote, beachtliche Sonnenzelte und dazu ausreichend Dosenbier! All dies bedient durch das schwarze Personal und untermalt von der lauten Bierseligkeit – so hatte ich mir Sodwana Bay nicht vorgestellt!

Aber ich war ja nicht hier wegen dem Strandleben, sondern um zu tauchen! Der größere Schock kam aber dann bei der Unterkunft. Hierfür hatten wir immerhin am meisten auf dieser ganzen Reise bezahlt.

Die Hütte war original afrikanisch, d. h. man konnte durch die Holzpalisaden ins Freie schauen! Bei den vielen Insekten, Schlangen und möglichem anderen Getier war dies sicherlich nicht optimal! Aber um zu tauchen nimmt man ja dann einiges in Kauf!

Als jedoch auch noch das Abendessen der gebuchten Halbpension ein echtes Desaster war, reichte es mir und spontan entschied ich am nächsten Tag zwei Tauchgänge zu machen und wieder abzureisen!

Die Nacht war für meine Frau ein Gräuel. Zwar lagen wir unter einem Moskitonetz, aber das Gebrüll der Affen und Krähen der wilden Hähne hielt einen Wach! Dann war auch noch der Himmel bedeckt als wir recht früh zum lieblos servierten Frühstück gingen.

Um 8 h musste ich zum Tauchen am Strand sein. Leider war mein gemietetes Equipment nicht da, dafür etliche protzige Südafrikaner! Es war kühl geworden, aber zum Glück für meine Frau war ein Zelt aufgebaut was auch nach unten vor dem feuchten Sand etwas schützte.

Als irgendwann doch noch extra meine Sachen gebracht waren ging es mit einem Divemaster - er stellt sich vor: „My name is Karl, it is german and means Charly!" - und 3 anderen Tauchern mit einem Powerboot zum 2-Miles-Reef raus. Man zieht immer eine Rettungswesten an und „schnallt" sich so gut es geht mit Händen und Füßen fest, denn die Brandung ist absolut extrem!

Draußen war die See nicht ganz so wild, aber man sollte in dem Gebiet schon einen stabilen Magen haben! Das Tauchen war aber wirklich gut. Viele schöne unterschiedliche Korallen in gutem Zustand, das hätte ich nicht so erwartet! Dazu eine Unmenge an Fischen aller Art inklusive großen Zackis, dazu Rochen und verschiedene Nacktschnecken dazu auch noch 2 Schildkröten!

Nur Haie sah ich keine trotz fast einer Stunde unter Wasser. Die einheimischen Taucher sammelten allerdings Hai-Zähne vom Grund, so wie Miriam Lucky-Stones sammelt – ein Beweis dass es dort genügend Haie gibt! Das einzig unangenehme für mich war, dass es mir doch etwas kühl wurde bei 25 Grad Wassertemperatur, trotz Tauchanzug – aber der war auch etwas löchrig!

Der Einstieg in das Powerboot aus dem Wasser war dann wieder echter Sport, genau so wie die Rückfahrt! Mit rasantem Schwung durch die Brandung und dann mit voller Fahrt an Land! Der Sand knirschte und das Boot lag seitlich da – für südafrikanische Taucher eine ganz normale Sache!

In der Pause schien zum Glück die Sonne und ich konnte mich etwas aufwärmen. Allerdings verdunkelte sich der Himmel recht schnell, ein Gewitter zog auf.

Daher war die zweite Tauchfahrt dann völlig anders. Ich dachte bei einem aufziehenden Gewitter fährt man nicht raus. Ich fragte auch ob dies nicht gefährlich sei. Die Antwort war nur: „Höchstens für den Bootsfahrer!"

Der Himmel wurde bedrohlich schwarz, wir fuhren aber trotzdem raus und tauchten ab. Schlechte Sicht, fast wie ein Nachttauchgang, allerdings sah man dass es oben heftig blitzte! Wieder viele Fische, Rochen und Oktopusse, dazu interessante große Muscheln die ich nicht kannte. Plötzlich wurde auch noch das Wasser schlierig und die Temperatur sank ab – was war los?

Wieder nach 1 Stunde oben erfuhren wir was geschehen war. Das Gewitter war von einem Wolkenbruch begleitet der so viel Regen dabei hatte dass diese Phänomen aufgetreten war. Elke hatte an Land unter dem Zelt zusammen mit anderen gedacht die Welt geht unter!

Das war es dann mit Tauchen in Südafrika. Fazit: Die beiden besuchten Riffe waren für mich so gut wie Mangrove Bay. Auch die Kosten für das Tauchen waren so günstig! Wenn Walhai-Saison ist muss dies dort ein absoluter Hit sein!

Aber die Kosten für Unterkunft und Verpflegung kamen mir wie ein Betrug vor! Falls ich je mal wieder in diese Gegend komme fahre ich lieber morgens früh die ca. 120 km von einem Guest House in Hluhluwe dort hin!

J.Müller