Ägypten 2002

TCKI mit großer Besetzung mal wieder – wie jedes Jahr – auf seiner Stamm-Tauchbasis Mangrove-Bay in El Quseir.

Dieses Mal waren es richtig viele ! Ursprünglich waren es nur Harry und ich, die schon im Sommer vergangenen Jahres den Plan fassten, mal zusammen am Roten Meer Tauchurlaub zu machen. Und da Harry nicht wirklich viel vom Bootfahren hält, gab es nur ein Ziel: Mangrove Bay mit seinem tollen Hausriff.

 

Nachdem sich unsere Pläne herumgesprochen hatten (wie kam das wohl ??), kamen auch schon bald die ersten Anfragen der Kollegen: Zuerst war da Jürgen Müller, der um diese Jahreszeit sowieso nix anderes zu tun hat, als in Ägypten Urlaub zu machen. Daniel, Putzi und Tom meldeten als nächste Interesse an, und später gesellten sich noch Gerd mit Kumpel Uli, Heike und Joachim, sowie Kurt und Jürgens’ Tochter Miriam dazu. Das waren dann zwölf Taucher – wie gesagt, ganz schön viel für einen so kleinen Club.

 

Termin war Mitte Februar. Eigentlich wollten Harry und ich erst Anfang März buchen, da kam uns aber ein anderes Event dazwischen, welches in Taucherkreisen offenbar verpönt ist. Nur, weil manche kein Ski fahren können. Uups, jetzt ist es raus !

 

Buchung und Abwicklung der Reise über ORCA verlief gewohnt problemlos, und es gab auch ein paar Überraschungen für die Teilnehmer: Die durften sich z.B. über eine kurzfristig eingeschobene Zwischenlandung in München freuen, allerdings aus Zeitgründen ohne Besichtigung des Hofbräuhauses.

 

Aber egal, wir kamen am Nachmittag des 17.2. pünktlich in Hurghada an, und der weitere Ablauf war an Präzision kaum noch zu überbieten: nach etwa 30-45 Minuten saßen wir mit kompletten Gepäck im erstaunlich modernen Bus (mit Kühlschrank) nach El Quseir. Für meine Begriffe absolute Rekordzeit. Apropos Gepäck: Basisleiter Esam hatte auf der „Boot“ in Düsseldorf einiges an Equipment für seine Basis eingekauft, und das Material aus Zollgründen an die ihn auf der Messe besuchenden Mitglieder weitergeben. So verteilten wir an den nachfolgenden Trainingsabenden etliche Automaten, Jackets, Bleigurte (ohne Blei), sowie Jacken und Kappen für die Guides, und diverses Kleinzeug an alle Reiseteilnehmer. Der Clou war ein Telefaxgerät, welches ich in meinem Neoprenzeugs versteckte, nachdem Esam mit mir telefonierte und mich bat, ihm doch so ein modernes Kommunikationsmittel mitzubringen. Meine ersten Bedenken bezüglich zu erwartender Probleme mit dem ägyptischen Zoll entkräftete er mit dem Ratschlag, ich solle notfalls behaupten, dass es sich bei diesem Teil um mein Notebook handele, man wäre dort zur Unterscheidung nicht in der Lage !! Nun ja !!! Esams Rechnung ging jedoch auf: am Zoll ließ man uns, wie eigentlich auch erwartet, ungehindert passieren. Das er sich hierfür natürlich erkenntlich zeigte, sehen wir später.

 

Unterwegs zum Hotel kauften wir in El Qusier noch einige Liter Cola ein, die uns, zusammen mit den im Frankfurter Duty Free erworbenen Spirituosen zur Herstellung diverser Mixgetränke für die allabendlichen „After-Dive-Parties“ dienten. Nach dem Abendessen im Hotel wurden bereits erste Mischungen ausprobiert !

 

Am nächsten Morgen lieferten wir unser „Übergepäck“ erstmal bei Esam ab, und checkten ein. Von irgendjemanden kam der Vorschlag, die Herausgabe von Esams Ausrüstungsgegenständen Zug um Zug durchzuführen und von der Qualität der Tauchgänge abhängig zu machen. Diese Idee wurde jedoch verworfen, als Esam uns seine „Sonderkonditionen“ für die Tauchgänge unserer Gruppe vorstellte: € 16,50 für jeden Tauchgang, also egal ob Hausriff-, Zodiac, Nacht- oder Bootstauchgänge, sowie einen Tauchgang völlig ohne Berechnung. Nach einhelliger Meinung ein sehr faires Angebot.

 

Beim Tauchen waren dann alle kräftig dabei: vorwiegend wurde am Hausriff oder mit dem Zodiac getaucht, nur am Freitag war ein Teil der Mannschaft mit dem Boot auf Tagestour. Mit Ausnahme von Großfisch-Begegnungen bot das Hausriff wieder alles, was man vom Roten Meer erwartet.

 

Dadurch, dass die Anlage nur zu etwa einem Drittel belegt war, kam es auch nicht zur „Überpopulation“ durch Taucher. Es war absolutes „Easy Diving“, ohne jeden Stress: Wer wollte, konnte sich schon früh morgens unsanft von Heike zum Early-Morning-Dive wecken lassen, tagsüber dann noch 2 Tauchgänge machen, um abends ab 18.oo Uhr noch einen Nachttauchgang dranzuhängen. Die Mehrheit fand jedoch 3 Tauchgänge am Tag als durchaus ausreichend.

 

Leider blieb die Gruppe auch in diesem Jahr von Ausfällen nicht ganz verschont: Pharao’s Rache, Virusinfektionen, Erkältungen, Rückenbeschwerden, Kreislaufprobleme und Zahnschmerzen sorgten für teilweise erheblichen Tablettenverbrauch. Letzen Endes konnten die mitgeführten Reiseapotheken Schlimmeres verhindern, und die betroffenen Taucher so weit stabilisieren, dass bis auf ein paar nicht durchgeführte Tauchgänge keine weiteren Folgeschäden entstanden.

 

Auch das Material litt teilweise: In meinen Neoprenanzug entdeckte ich nach dem ersten Tauchgang in der Weichteilgegend ein fingernagelgroßes Loch, von dessen Entstehung ich nichts mitbekam. Keine Ahnung, ob ich irgendwo hängen geblieben bin, oder mir ein großer Drückerfisch zu nahe kam. Joachims Anzug , bzw. dessen Reißverschluss gab ebenfalls den Geist auf, und er musste fortan jedes Mal mit einem Stück Seil zugebunden werden. Nach 3 Tagen verabschiedete sich der Ein/Aus-Schalter von Kurts Video-Kamera, und einen vermuteten Totalschaden wird wohl Jürgen zu beklagen haben, dessen UW-Fotoapparat einen Wassereinbruch erlitt.

 

Das alles konnte der guten Stimmung in der Gruppe jedoch keinen Abbruch tun. Es wurde viel gelacht, und jeden Abend saßen wir auf der Terrasse unseres Blocks zusammen und ließen den Tag ausklingen.

 

Freitags machte ein Teil der Mannschaft eine Bootstour zum Erg Monika, während ich mit 2 „verdauungsgestörten“ Tauchkameraden auf der Basis blieb. Unter uns: das war mal ein ruhiger Tag, die Basis war fast menschenleer, und Uli, Harry und ich machten zwei schöne ausgedehnte Zodiac-Tauchgänge.

Die Woche verging wie im Flug, und am Freitag abend war es bereits Zeit, über die Rückreise nachzudenken, denn das Material für unsere allabendlichen kollektiven Desinfektions-Maßnahmen ging tatsächlich schon zur Neige. Am Samstag wurden die letzten zwei Tauchgänge, ein „EMD“ (für Nichtwissende: Early-Morning-Dive) und ein weiterer um die Mittagszeit durchgeführt. Dann war Schluss mit der Taucherei, denn unsere Tauchcomputer mussten sich vor dem Rückflug entsprechend erholen, allen voran mein guter DC-12, der es auf stolze 27 Stunden Flugverbot brachte. Das hätte nach überschlägiger Rechnung bis etwa zur Landung in Frankfurt gereicht, wenn nicht …., aber der Reihe nach: Am Samstag abend gab es tatsächlich nur noch Cola und Wasser zu trinken, es wurde höchste Zeit zur Rückreise. Nachdem wir am Sonntag zuerst noch mal gemütlich gefrühstückt , aus dem Hotel ausgecheckt und uns vor allem von Esam verabschiedet hatten, wartete pünktlich um 10.oo Uhr der Bus für den Transfer auf uns. Unterwegs sammelten wir noch ein paar Taucher aus anderen Hotels auf, und trafen immer noch pünktlich in Hurghada ein. Planmäßige Abflugzeit war 14.30 Uhr. Mit Betreten der Abflughalle war es mit der Pünktlichkeit vorbei: unser Flieger wurde mit 2-stündiger Verspätung gemeldet. Die Begeisterung war groß, und ich wurde, aus unerfindlichen Gründen als der verantwortliche Organisator ausgeguckt, mit „Bravo“-Rufen nur so überhäuft. Schon etwas paradox: in Ägypten läuft alles ungewohnt planmäßig und superpünktlich, und dieses Mal hat die deutsche Seite Probleme, ihre sonst sprichwörtliche Zuverlässigkeit unter Beweis zu stellen. Ich beruhigte meine Leute mit dem Hinweis auf meinen immer noch kräftig arbeitenden Tauchcomputer, und das ich auch an meine Gesundheit denken müsste, usw. Nun gut, auf Kosten von Condor gab’s für jeden ein Erfrischungsgetränk, und um 17.oo Uhr ging’s dann endlich los. Leider gab es noch starken Gegenwind (längere Flugzeit !) und in Frankfurt stellte man uns im Regen auf einer entfernten Außenposition ab (mit dem Bus zur Empfangshalle), und deshalb kamen wir erst um 21.oo Uhr statt wie ursprünglich vorgesehen um 18.25 in Frankfurt an.

 

Ungeachtet dieser Kleinigkeiten war es aber eine herrliche Woche, mit sehr schönen Tauchgängen und vor allem einer tollen Gruppe. Und alle sind der einhelligen Meinung: Irgendwann tun wir’s wieder, nehmen aber etwas mehr Cognac mit ! Prost !

St.B.